Der "Weg zur Befreiung" (Moksopaya) ist ein im 10. Jh. in Kaschmir entstandener Sanskrit-Text, der im Kern auf einen anonymen Autor zuruckgeht, sich in verschiedenen Fassungen uber Indien verbreitet hat und vor allem in der spaten, vielfach entstellten Vulgata-Rezension unter dem Namen "Yogavasistha" bekannt geworden ist. Inhaltlich handelt es sich um eine philosophische Welterklarung, die der Weise Vasistha dem Konigssohn Rama in einem langen Gesprach darlegt, dessen Hauptaussage lautet, dass nichts, was als Objekt und als Subjekt der eigenen Erkenntnis erscheint, tatsachlich existiert, sondern alles nichts als "Geist" (cit) ist. Ziel dieser didaktisch aufgebauten Unterweisung ist die Selbstbefreiung aus dem leidvollen Daseinskreislauf, die nicht zu einem Ruckzug aus der Welt fuhren muss, sondern dem "schon zu Lebzeiten Befreiten" (jivanmukta) ein intentionslos-tatiges, leidfreies Leben in der Welt ermoglicht. Dabei wechseln philosophische Abschnitte mit kunstvoll erzahlten Geschichten, die bestimmte philosophische Aussagen veranschaulichen sollen. Das 6. "Buch uber das Nirvana" bildet die zweite Halfte des Moksopaya: der geistig erwachte Rama ist jetzt dazu imstande, den eigentlichen Standpunkt (siddhanta) des Lehrwerks zu erfassen. Mit dem 1. Teil wird eine kommentierte philologische Ubersetzung der aus 5092 Strophen bestehenden Kapitel 1-119 dieses 6. Buches nach dem Wortlaut der historisch-kritischen Gesamtausgabe vorgelegt. Sie enthalt 15 Erzahlungen, darunter die Geschichte des unsterblichen Raben Bhusunda, den eine philosophisch umgedeutete Atem-Methode (pranayama) zur Befreiung gefuhrt hat; eine Darlegung des Gottes Siva, was unter ausserer und innerer Gottesverehrung (devapuja) aus geistig aufgeklarter Sicht zu verstehen ist; eine geistmonistische Version der Bhagavadgita, die aus der Erzahlperspektive des Moksopaya in der Zukunft stattfinden wird; und nicht zuletzt die lange Geschichte der Konigin Cudala, die sich u.a. in einen Mann verwandelt, um ihrem Gatten zur befreienden Erkenntnis zu verhelfen.