Der Ausgangspunkt dieses Buches ist ein Fotoalbum, das eine junge Frau zwischen 1904 und 1915 angelegt hat. Wer war diese Frau, die im Alter von 19 Jahren im westpreuÃischen Marienburg angefangen hat, zu fotografieren und ihre Bilder in der eigenen Dunkelkammer zu entwickeln? Wie hat sie gelebt? Wen hat sie fotografiert?
Behandelt werden nicht nur die abgebildeten Personen, ihre Lebenssituation und ihr Schicksal, sondern auch das Umfeld, die Welt dieser Personen, die nahezu alle in West- oder OstpreuÃen gelebt haben: In Marienburg, im Hafenstädtchen Tolkemit, in den Ferien im Ostseebad Kahlberg, in Königsberg, Braunsberg, Guttstadt ...
Es handelt sich dabei aber nicht um ein Buch, das in OstpreuÃen-Nostalgie schwelgt. Ausgehend von der Frage, ob die westpreuÃischen Vorfahren der jungen Fotografin Deutsche oder Polen gewesen sind, und anhand von mehreren Beispielen ("Kaisertag", Hindenburg besucht Marienburg) werden der Nationalismus und seine die Verhältnisse vergiftende Rolle beleuchtet. Die Geschichte von Tolkemit - der Stadt, in der die Familie des Ehemannes der jungen Fotografin lebte - wird die wechselvolle und nicht auf einen einfachen Nenner zu bringende Geschichte WestpreuÃens verdeutlicht.