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Gastrosophical Turn - eBook

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<p>Das Thema Essen ist, ob wir wollen oder nicht, unser t&auml;glich’ Brot. Was Essen ist, scheint klar zu sein: Man steckt sich etwas in den Mund, kaut es oder auch nicht und schluckt es runter. Das kann Nahrung sein, muss es aber nicht; es kann vornehmlich dazu dienen, zu &uuml;berleben, kann aber auch reiner Genuss sein. Nahrung wird aus verschiedenen Gr&uuml;nden und auf zahllose Arten aufgenommen, auch aus etlichen Gr&uuml;nden abgelehnt oder verweigert, zudem werden Dinge „geschluckt“, die eigentlich nicht zum Essen gedacht sind, etwa Informationen, Medizin, Gift, Worte, die nicht gesagt werden, Gef&uuml;hle, die man nicht &auml;u&szlig;ert. Der Komplex „Essen“ ist ein Kessel, in dem st&auml;ndig der Kampf zwischen Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Verpflichtungen brodelt, das Essen ist – wie alle Grundbed&uuml;rfnisse des Menschen – moralisch schwer belastet, ein Labyrinth von Geboten und Verboten, die sich historisch oder in philosophischen Diskursen entwickeln und die Sache in der Regel nicht einfacher, sondern immer wirrer machen: D&uuml;rfen, Sollen, K&ouml;nnen und ihre Gegenteile finden sich an der Tafel ein und greifen munter zu. Was Natur und Kultur beim Essen erlauben und vorschreiben, anders gesagt: was die richtige Art ist, sich das Richtige in den Mund zu stecken, wird von den menschlichen Gesellschaften immer neu wiedergek&auml;ut, verdaut und ausgeschieden. Die K&uuml;nste und Gebrauchsmedien machen eigene Vorschl&auml;ge und spiegeln &Uuml;berlieferung wider. Wirtschaftliche, medizinische, kulturelle und moralische Interessen durchziehen das Thema „Essen“ mit einem Netz von F&auml;den, das dringend eines Wegweisers bedarf. Aber bekanntlich wird nichts so hei&szlig; gegessen, wie es gekocht wird. In diesem Sinn – und nicht im Sinn der vielen K&ouml;che, die den Brei verderben – bem&uuml;hen sich die Autoren des vorliegenden Bandes um mehr Klarheit in dieser Klo&szlig;br&uuml;he, nicht ohne das n&ouml;tige Salz in der Suppe, versteht sich.</p>

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Das Thema Essen ist, ob wir wollen oder nicht, unser täglich’ Brot. Was Essen ist, scheint klar zu sein: Man steckt sich etwas in den Mund, kaut es oder auch nicht und schluckt es runter. Das kann Nahrung sein, muss es aber nicht; es kann vornehmlich dazu dienen, zu überleben, kann aber auch reiner Genuss sein. Nahrung wird aus verschiedenen Gründen und auf zahllose Arten aufgenommen, auch aus etlichen Gründen abgelehnt oder verweigert, zudem werden Dinge „geschluckt“, die eigentlich nicht zum Essen gedacht sind, etwa Informationen, Medizin, Gift, Worte, die nicht gesagt werden, Gefühle, die man nicht äußert. Der Komplex „Essen“ ist ein Kessel, in dem ständig der Kampf zwischen Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Verpflichtungen brodelt, das Essen ist – wie alle Grundbedürfnisse des Menschen – moralisch schwer belastet, ein Labyrinth von Geboten und Verboten, die sich historisch oder in philosophischen Diskursen entwickeln und die Sache in der Regel nicht einfacher, sondern immer wirrer machen: Dürfen, Sollen, Können und ihre Gegenteile finden sich an der Tafel ein und greifen munter zu. Was Natur und Kultur beim Essen erlauben und vorschreiben, anders gesagt: was die richtige Art ist, sich das Richtige in den Mund zu stecken, wird von den menschlichen Gesellschaften immer neu wiedergekäut, verdaut und ausgeschieden. Die Künste und Gebrauchsmedien machen eigene Vorschläge und spiegeln Überlieferung wider. Wirtschaftliche, medizinische, kulturelle und moralische Interessen durchziehen das Thema „Essen“ mit einem Netz von Fäden, das dringend eines Wegweisers bedarf. Aber bekanntlich wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. In diesem Sinn – und nicht im Sinn der vielen Köche, die den Brei verderben – bemühen sich die Autoren des vorliegenden Bandes um mehr Klarheit in dieser Kloßbrühe, nicht ohne das nötige Salz in der Suppe, versteht sich.

Gastrosophical Turn - eBook

Specifications

Read This On
Android,Ereader,Desktop,IOS,Windows
Is Downloadable Content Available
Y
Digital Reader Format
Epub (Yes)
Language
de
Series Title
Aspekte der Medizinphilosophie
Publisher
Projekt
Author
Michael Nagenborg
ISBN-13
9783897333086
ISBN-10
3897333082

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Electrode, Comp-805468474, DC-prod-az-southcentralus-14, ENV-prod-a, PROF-PROD, VER-30.0.3, SHA-fe0221a6ef49da0ab2505dfeca6fe7a05293b900, CID-914136b2-275-16e70acfd6d53b, Generated: Fri, 15 Nov 2019 20:06:55 GMT